Ein Platz, der Menschen zusammenbringt
Der Innsbrucker Marktplatz ist an sonnigen Tagen ein Ort voller Leben. Eingebettet zwischen der historischen Markthalle, einem 1913/14 erbauten Jugendstilbau, in dem über 40 Anbieter ihre regionalen Produkte feilbieten, und der Marktbar, mit dem direkten Blick auf den Inn und die bunte Häuserzeile von St. Nikolaus, ist er ein Lieblingsplatz von Innsbruckerinnen und Innsbruckern. Jugendliche und Studierende lassen sich hier von der Sonne wärmen, Einheimische treffen Bekannte, Radfahrerinnen und Radfahrer halten inne. Genau hier machte die Initiative RETTET DAS PLATZERTAL am 24. April 2026 Station.
Kunst und Natur begegnen sich
Am 24. April 2026 warb in unmittelbarer Nähe auch die Innsbruck International Biennial of the Arts für ihre Veranstaltung, ein internationales Kunstfestival, das Innsbruck als Kulturort in den Mittelpunkt rückt. Zwischen Kunstplakaten und Kulturprogramm stellten wir unsere Banner auf und unsere Schautafeln auf. Mit den Veranstalterinnen und Veranstaltern des Festivals hatten wir ein gutes Auskommen. Wir teilen dasselbe Bewusstsein, dass manche Dinge, seien es Anliegen der Kultur oder der Natur, nicht ersetzbar sind, wenn sie einmal verloren sind.
Hitze und Haltung — ein Nachmittag mit Tiefgang
Trotz fast sommerlicher Temperaturen blieben Menschen vor unseren Informationsständen stehen. Radfahrerinnen und Radfahrer stiegen ab, Passantinnen und Passanten drehten um. Und wer einmal stehengeblieben war, blieb oft länger. Was uns wieder beeindruckte: das generationenübergreifende Interesse am Platzertal. Jugendliche fragten gezielt nach, wollten verstehen, was im Platzertal auf dem Spiel steht und wie das Verfahren rund um das geplante Pumpspeicherkraftwerk der TIWAG überhaupt läuft. Ältere Menschen, manche davon mit persönlichen Erinnerungen an das Tal, sprachen mit uns über das, was mit dem Verlust des Platzertals als Naturlandschaft einhergehen könnte.
Was auf dem Spiel steht
Die stockende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) war ein wiederkehrendes Thema in den Gesprächen mit Passant:innen. Das Verfahren dauert an – und das hat Gründe. Nach Einschätzung unabhängiger Fachleute müsste man sich noch eingehender mit den Themen Naturgefahren, Geologie und Grundwasser auseinandersetzen Steigende Gefahren wie große Felsstürze, Muren oder mögliche Flutwellen in Speicherseen bedürfen noch weiterer Evaluierungen.
Wilfried Haeberli: Eine Stimme der Wissenschaft, die man nicht ignorieren kann
Der renommierte Wissenschaftler Schweizer Glaziologe und Geomorphologe Prof. Dr. Wilfried Haeberli warnte heuer beim geplanten TIWAG-Kraftwerksprojekt im Kaunertal vor einer Wiederholung einer Katastrophe wie im Schweizer Blatten, wo im Lötschental ein massiver Bergsturz das Dorf zerstörte. Die Felsen über dem Gepatsch-Speicher hätten eine ähnliche Charakteristik. Seine Analyse ist unmissverständlich: Die TIWAG berücksichtige in ihren UVP-Unterlagen die Veränderung der Natur im Hochgebirge durch den Klimawandel keinesfalls ausreichend.
Haeberli wies auf den Umstand hin, dass Felsstürze mit mehr als einer Million Kubikmeter künftig zu erwarten seien. Stürze aus destabilisierten Felsflanken bedrohen auch den Speicher Platzertal. Durch die Erwärmung hätten sich Stabilität von Permafrostflächen reduziert und Fließgeschwindigkeiten stark beschleunigt. Eine allfällige Flutwelle, ausgelöst durch einen Bergsturz in einen der neu entstehenden Gletscherseen, würde laut seiner Einschätzung in weniger als einer halben Stunde den Gepatschspeicher erreichen.
Die Frage, ob alle Risiken tatsächlich vollständig und nach aktuellem Wissensstand bewertet wurden, scheint ebenso wie das UVP-Verfahren vorläufig offen zu sein
Das Platzertal kennt keine Pause
An diesem warmen Apriltag haben wir den Marktplatz mit dem Gefühl verlassen, dass das Platzertal vielen Innsbrucker:innen im Bewusstsein präsent ist. Wir führten eine Reihe von Gesprächen mit Menschen aller Altersgruppen. Hierbei spürten wir die wachsende Bereitschaft, sich zu informieren und Stellung zu beziehen. Manchmal reichen ein Sonnentag, ein paar Banner und die Bereitschaft zu einem Gespräch, um gehört zu werden.
Das Platzertal bleibt.




