660 Meter Kreativprotest gegen 660 Meter Damm im Platzertal

Pressetexte Menschenkette

Innsbruck protestiert: Menschenkette gegen TIWAG-Staudamm im Platzertal

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, wurde die Innsbrucker Altstadt zum Schauplatz eines eindrucksvollen Kreativprotests. Eine Menschenkette vom Goldenen Dachl bis zur Triumphpforte machte sichtbar, was im Platzertal geplant ist: ein Staudamm von 660 Metern Breite, der ein intaktes Hochgebirgstal für immer zerstören würde. Jeder Meter der Menschenkette stand dabei symbolisch für einen Meter jenes Bauwerks, das künftig das Platzertal durchschneiden soll.

Energiewende ja – aber ohne Naturzerstörung

Der häufigste Vorwurf, mit dem sich die Platzertal-Aktivist:innen konfrontiert sehen, lautet: Sie seien prinzipiell gegen Strom, lebten an der Realität vorbei und ignorierten den wachsenden Energiebedarf Tirols. Dieser Vorwurf greift zu kurz, und die Demonstrierenden machten das an diesem Tag unmissverständlich klar.

Die Teilnehmer:innen betonten, dass sie die Energiewende grundsätzlich unterstützen, jedoch andere Wege als den Ausbau der Wasserkraft im Platzertal fordern. Tirol habe bereits umfangreich in Wasserkraft investiert. Nun gelte es, verstärkt auf dezentrale Batteriespeicher, Photovoltaik, regionale Energiegemeinschaften, einen naturverträglichen Ausbau der Windkraft sowie die Optimierung bestehender Kraftwerke zu setzen.

Diese Position deckt sich mit jener des WWF Österreich, der in seiner Stellungnahme zur Veranstaltung festhält: „Es gibt Alternativen zum Kraftwerksausbau, aber kein zweites Platzertal. Ausgerechnet in Zeiten zunehmender Trockenheit und Wetterextreme soll das größte nahezu unberührte hochalpine Moor- und Feuchtgebiet Österreichs zerstört werden. Die TIWAG und die Tiroler Landespolitik müssen die Warnungen von Wissenschaft, Naturschutz und Bevölkerung endlich ernst nehmen und naturverträgliche Alternativen prüfen.“¹

Das Platzertal – ein einzigartiger Naturraum

Das Platzertal in den Ötztaler Alpen ist das größte, nahezu unberührte hochalpine Moor- und Feuchtgebiet Österreichs. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Naturnähe gilt das Tal als bedeutender Rückzugsraum für zahlreiche seltene und spezialisierte Tier- und Pflanzenarten. Seine Moore und Feuchtgebiete speichern Wasser, puffern Trockenperioden ab und leisten als wichtiger CO2-Speicher einen Beitrag zum Klima- und Naturschutz.²

Stimmen aus der Menschenkette

Die Teilnehmenden formulierten ihre Motive klar. Thomas Pale, einer der Organisatoren der Menschenkette, erklärte: „Die 660 Meter lange Menschenkette zeigt, in welchem gigantischen Ausmaß dieses unberührte Hochtal verändert werden soll. Ich stehe für eine zeitgemäße Energiewende ein. Die beste Umweltpolitik ist es, Schäden zu vermeiden, bevor sie entstehen. Das Platzertal muss zum Schutz der Biodiversität, des Klimas und im Interesse kommender Generationen erhalten bleiben.“³

Priska Heitzer, ebenfalls Mitglied des Organisationsteams der Menschenkette, betonte: „Klimakrise und Biodiversitätskrise bedrohen gleichermaßen die Stabilität unserer Lebensgrundlagen. Sie dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“³

Abschlusskundgebung vor der Annasäule – mit Musik und Reden

Nach dem Schließen der Menschenkette zogen alle Teilnehmer:innen von beiden Seiten der Stadt Richtung Annasäule. Dort sorgten The Sweet Janes, das bekannte Innsbrucker Indie-Duo Karin Berner und Angelika Ennemoser, für den musikalischen Rahmen.⁴

Anschließend ergriffen mehrere Redner:innen unter der Leitung des Moderators Dr. Michael Busse das Wort: Maria Haselwanter vom Österreichischen Alpenverein, Maximilian Frey vom WWF Österreich, Gebi Mair von den Grünen Tirol sowie DI Mag. Barbara Löffler im Namen der Initiative RETTET DAS PLATZERTAL.

Ein breites Bündnis trägt den Protest

Die Menschenkette war weit mehr als eine Aktion einer einzelnen Gruppe. Schulter an Schulter standen Vertreter:innen zahlreicher Organisationen, die sich in der zentralen Frage einig sind: Das Platzertal darf nicht geopfert werden.

Namentlich vertreten waren: die Bürgerinitiativen Einzigartiges Platzertal und Lebenswertes Kaunertal, der WWF Österreich, der Österreichische Alpenverein, die Omas gegen Rechts, WET – Wildwasser Erhalten Tirol, Die Grünen Tirol, Die Grünen – Generation plus Tirol, ALI Alternative Liste Innsbruck, Liste Fritz – Bürgerforum Tirol, Naturfreunde Tirol, Die Schützinnen, Protect Alpine Nature, Teachers 4 Future, Free Rivers Fund, Verein Unser Wasser sowie Flüsse voller Leben, ein österreichweites Netzwerk für den Schutz unserer Fließgewässer.

Wir bedanken uns bei allen Organisationen für ihr Engagement und ebenso bei den vielen Privatpersonen, die mit selbst gestalteten Bannern, Transparenten und ihrer Anwesenheit die Kette mit Leben füllten. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf die Blogs von Michael Bürkle und Klaus Heidegger, die den Tag dokumentarisch festgehalten haben. Besonderer Dank gilt auch dem Dokumentarfilmer Harry Putz , der sich mit seinem Film „Bis zum letzten Tropfen“ dem Platzertal gewidmet hat und auch bei der Menschenkette mit Kamera und Mikrofon unterwegs war, um Stimmen der Teilnehmenden einzufangen. Gemeinsam haben alle Beteiligten diesen 11. Juni 2026 zu dem gemacht, was er war: ein sichtbares, unvergessliches Zeichen für den Erhalt des Platzertals.

Quellen

¹ WWF Österreich: Hunderte Menschen setzen Zeichen für den Schutz des Platzertals, 12. Juni 2026. https://www.wwf.at/wwf-hunderte-menschen-setzen-zeichen-fuer-den-schutz-des-platzertals/

² Initiative Rettet das Platzertal / OTS-Presseaussendung: Innsbruck: 660 Meter Protest gegen 660 Meter Damm im Platzertal, 9. Juni 2026. https://www.ots.at/presseaussendung/OTM_20260609_OTM0015/innsbruck-660-meter-protest-gegen-660-meter-damm-im-platzertal

³ MeinBezirk Innsbruck: Hunderte wehren sich gegen gigantische TIWAG-Staudamm-Pläne, 12. Juni 2026. https://www.meinbezirk.at/innsbruck/c-leute/hunderte-wehren-sich-gegen-gigantische-tiwag-staudamm-plaene_a8688074

⁴ Indiecharts: The Sweet Janes, https://indiecharts.at/magazin/the-sweet-janes

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